[Rezension] Shades of Grey 1: Geheimes Verlangen von E. L. James





Verlag: Goldmann
Seiten: 608
Reihe: Ja, Band 1
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3442478958
Originaltitel: Fifty Shades of Grey


Inhalt:
Sie ist 21, Literaturstudentin und in der Liebe nicht allzu erfahren. Doch dann lernt Ana Steele den reichen und ebenso unverschämt selbstbewussten wie attraktiven Unternehmer Christian Grey bei einem Interview für ihre Uni-Zeitung kennen. Und möchte ihn eigentlich schnellstmöglich wieder vergessen, denn die Begegnung mit ihm hat sie zutiefst verwirrt. So sehr sie sich aber darum bemüht: Sie kommt von ihm nicht los. Christian führt Ana ein in eine dunkle, gefährliche Welt der Liebe – in eine Welt, vor der sie zurückschreckt und die sie doch mit unwiderstehlicher Kraft anzieht …
Cover:
Mich spricht das Cover nicht an, obwohl es wirklich sehr schön ist! Mir fehlt da der Wow-Effekt. 
Das Englische Cover dagegen finde ich perfekt. Es zeigt die Krawatte, die ja auch im Buch immer wieder „Thema“ ist. Deswegen spricht mich das Original (rechts) viel mehr an. Anziehend an dem deutschen Cover ist dann noch etwas ganz „merkwürdiges“ (mir fällt kein anderes Wort dafür ein): der Buchdeckel ist „matt“ und irgendwie fühlt sich das anders an, wachs-artig. Ich musste als erstes tatsächlich an eine fleischfressende Pflanze denken, an der die Fliege kleben bleibt. So ist das für mich irgendwie sehr passend zu diesem Buch.
Erster Satz:
Frustriert betrachte ich mich im Spiegel.
Meine Meinung:
Ich habe in den letzten Tagen / der letzten Woche schon viel von diesem Buch gehört bzw. gelesen und ich habe den Eindruck entweder liebt man es oder man hasst es. Dazwischen gibt es nicht viel. Ich zähle mich mal zu „dazwischen mit Tendenz zu lieben“...
Als erstes ist sicher sehr interessant, dass diese Geschichte eigentlich als Twilight Fanfiction geschrieben wurde und nicht als Buch (Christian und Ana hießen sogar Edward und Bella). 
Die Autorin hat online unter dem Pseudonym Snowqueen’s Icedragon eine frühere Version dieser Story mit anderen Figuren unter dem Titel »Master of the Universe« als Fortsetzungsgeschichte veröffentlicht.
Das merkt man stellenweise leider auch, die Sätze sind manchmal recht abgehakt und öfter fehlen mir die Übergänge (in einem Satz trinken sie Tee und im nächsten Satz ist es dann 3 Tage später und sie sind an einem völlig anderen Ort). Der Schreibstil ist zwar einfach, aber nicht so schön flüssig zu lesen. Außerdem gibt es immer wieder Wortwiederholungen (mein Liebling: „Der verzierte Wandspiegel ziert die Wand“, steht zwar so nicht exakt im Buch aber ähnlich).
Einen großen Bezug zu Twilight kann ich mit aller Liebe nicht erkennen, für mich ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Man kann zwar viel hineininterpretieren und sicher gibt es Ähnlichkeiten, die gibt es aber auch bei Büchern die vorher keine Twilight Fanfiction waren, wenn ihr versteht was ich meine.
Die Hauptprotagonisten sind Anastasia Steele und Christian Grey.
Ana ist eigentlich eine ganz normale, sympathische junge Frau.
Aber je mehr die Geschichte fortschreitet, desto weniger verstehe ich sie. Wie sie so einfach immer wieder zu ihm zurück geht, obwohl sie Angst hat und teilweise nur noch weint. Klar, er hat etwas anziehendes an sich: er ist so schön, stark, reich, angesehen und vor allem ihre erste Liebe. Aber trotzdem, sie macht einfach so freiwillig mit ihm alles mit, lässt sich auf ihn ein, nur in der Hoffnung, dass er sie liebt, sie ihn ändern bzw. ins Licht holen kann, wie sie immer sagt. Warum sie am Ende das tut, was sie tut, kann ich dann auch wieder nicht verstehen, sie wollte es doch so. Aber ich möchte nichts verraten.
Lustig und „Fremdschämen deluxe“ war dann gleich am Anfang als Ana ins Büro reinfällt. Das erinnert mich dann doch an Bella. Das ist für mich aber im großen und ganze das einzige, für mich ist Ana eine ganz eigenständige Person.
Das ständige hin und her „Gelabere“ mit Anas Unterbewusstsein und ihrer inneren Göttin fand ich sehr nervig. Aber ich bin nicht der Typ Humor für so etwas, andere mögen das vielleicht eher, ich nicht.
Das einzige große Humorvolle für mich waren die auflockernden, lustigen E-Mails zwischen den Hauptprotagonisten und Christians Sinn für Humor wenn es ums Geld geht:
>>Warum?<<Er grinst schelmisch. »Weil ich es kann.<< S. 88
Christian ist mir am Anfang ein höchst unsympathischer Protagonist. Ich halte ihn einfach für einen arroganten Mistkerl und das passiert mir äußerst selten bei männlichen Hauptfiguren. Selbst mit einer solch schlimmen Vergangenheit kann ich ihm, fast bis zum Schluss hin, nicht ansatzweise etwas abgewinnen. 
Außerdem halte ich es für, nennen wir es außergewöhnlich, dass der Mann gefühlte 10 mal hintereinander Sex haben kann und ja dauerhaft und überall ein Kondom griffbereit hat. Ähm, ja!...
Christian erinnert mich fast gar nicht an Edward. Er sagt zwar am Anfang zu Ana, dass sie sich fern halten soll weil er nicht gut für sie und gefährlich ist, aber ansonsten ist er einfach nur herrisch, arrogant, teilweise abweisend... Edward ist doch viel einfühlsamer, lieber, romantischer und beschützt Bella ohne sie offensichtlich zu stalken (also wenn mein Freund wüsste wo ich im Urlaub einen trinken gehe, wie meine Mutter mit Nachnamen heißt (Anas Mutter hat einen anderen als sie) oder alle Adressen immer schon weiß, ohne dass ich ihm das vorher gesagt habe, dann würde ich mir Gedanken machen. Das ist doch nicht normal!). 
Das Einzige was er neben Edward ziemlich gut beherrscht ist Gedanken lesen und das ohne es offensichtlich zu können, sondern nur durch Körpersprache / Menschenkenntnis. 
Trotzdem muss ich sagen, dass er mir zum Schluss hin sympathischer wird (er steht nicht auf Herzchen und absolut romantisch schnulzigen Blümchensex und trotzdem ändert er sich für Ana in diese Richtung). Er ist einfach faszinierend und man möchte unbedingt mehr über ihn wissen!
»Nicht«, murmelt er und küsst mich flüchtig.»Wieso lässt du dich nicht gern anfassen?«, frage ich.»Weil ich komplett abgefuckt bin, Anastasia. Und zwar in fünfzig verschiedenen Facetten.« S. 306
Ja, ich möchte alle 50 Facetten von ihm sehen!
Auch wenn es im Buch größtenteils nur um Ana und Christian geht, tauchen trotzdem nette Charaktere auf:
* Kate (Katherine Kavanagh) - Anas beste Freundin und Mitbewohnerin, ohne sie (wenn sie nicht krank gewesen wäre) hätte Ana Christian nie kennen gelernt. Sie ist immer lieb zu Ana, hilft ihr bei ihrem Männerproblem weiter, muntert sie auf und hat ihren ganz eigenen Charme. Sie mag Christian nicht und warnt Ana vor ihm (weil er irgendwas dunkles an sich hat). Sie stichelt auch immer wieder wenn die zwei aufeinander treffen, was Ana so gar nicht lustig findet, da es Christian auf die Palme bringt (und er es an ihr „auslässt“).
* José - Anas Kumpel, der aber verliebt in sie ist und Christian verständlicherweise so gar nicht leiden kann.
* Elliot Grey - So ganz anders als sein Bruder, scheinbar der perfekte, romantische, Boyfriend
* Taylor - Angestellter von Christian: der Chauffeur und „Mädchen für alles“. Ich finde ihn interessant, denn er scheint total nett zu sein, was man so mitbekommt. Außerdem weiß er scheinbar auch von Christians Neigungen und sagt einmal zu Ana dass Christian ein netter Kerl ist.
Das Buch liest sich am besten daheim, in entspannter und ruhiger Atmosphäre. ^_~
Es gibt viele Sexszenen, aber Gott sei dank sind sie nicht, wie von mir befürchtet, ständig in der „Kammer der Qualen“ (so nennt Ana Christians Spielzimmer).
Fazit:
Ich würde fast sagen, Shades of Grey sollte jeder lesen der sich dafür interessiert weil man sich unbedingt selbst seine eigene Meinung darüber bilden muss. Wer allerdings so gar nicht auf erotische Bücher (bzw. BDSM) steht, der sollte die Finger davon lassen.
Ich hatte nach diesem Hype, der um das Buch gemacht wird und den Twilight-Vergleichen definitiv etwas anderes erwartet. Nicht das! 
Die Handlung ist 2/3 des Buches recht flach, eigentlich geht es ja nur um Sex (BDSM - Christian sucht eine „Spielgefährtin“) und wie Christian Ana dazu bringt mehr mit ihm zu versuchen. Die Charaktere sind nicht gerade sehr komplex.
Erst das letzte Drittel des Buches hat mir wesentlich besser gefallen. Es wird tiefgründiger, ernster, anders...Christian wird netter, jedenfalls ab und zu, wenn er es zulässt. Er versucht mehr auf Ana einzugehen, zeigt andere Seiten von sich und man merkt wie schwer ihm das fällt. Er versucht Ana das zu geben was sie braucht, „mehr“. Auch Ana wird sich ihrer Liebe zu Christian bewusst und dass sie mehr will als „nur“ Sex. Nur, kann er ihr das geben? Kann sie ihn wirklich ändern?
Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, ist das Buch unheimlich polarisierend, ich konnte es nicht aus der Hand legen und wie gesagt, das letzte Drittel gefiel mir dann auch sehr gut. Der Schluss ist dramatisch, ergreifend und schon fast ein wenig romantisch für dieses Buch und absolut finaltauglich. Nicht unbedingt überraschend, aber das ist ja wieder etwas anderes... Dennoch muss ich sagen, dass das Buch mich so in seinen Bann gezogen hat, dass ich unbedingt weiter lesen möchte und natürlich auch weiter lesen werde. Je mehr ich über das Buch nachdenke, desto interessanter finde ich es bzw. kann ich auch einfach nicht aufhören darüber nachzudenken. Nicht über den Sex, sondern mehr über Christian und Ana.
Ich denke, man sollte das Twilight-Vergleiche auch gänzlich weg lassen, dann kann man das Buch noch mehr genießen.
Witzigerweise habe ich nämlich immer irgendwie darauf gewartet, dass Christian seine Vampirzähne zeigt, Ana beißt oder ihr eben erzählt, dass er ein Vampir ist. Wäre doch auch irgendwie passend gewesen... 
Infos:
Für Interessierte kann ich noch einiges empfehlen:
Einmal gibt es hier den Gala Artikel mit einem Interview von E. L. James, dann gibt es einen eigenen Blog zu Shades of Grey mit vielen tollen Informationen und dann noch einen BILD Artikel. Christian Grey‘s Penthouse im Escala gibt es tatsächlich! =)
Reihe:
  

  • Shades of Grey 1 - Gheimes Verlangen
  • Shades of Grey 2 - Gefährliche Liebe
  • Shades of Grey 3 - Befreite Lust
Bewertung:
3 Fröschleins, sicher mit Tendenz zu 4. Vielleicht kann mich Band 2 mehr begeistern und überzeugen. Es zeigt sich ja am Schluss Potenzial, besser zu werden.

Kommentare:

  1. Sehr schöne Erklärungen... Ich freue mich, seit ich fertig bin, über jede neue Rezension zu dem 'Skandalbuch' :-)
    Und das letzte Drittel fand ich auch m besten, weil es irgendwie dann doch eine unerwartete Wendung nahm. Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung :-)

    Und ich fand die E-Mails auch 'göttlich' :-D

    Lg
    Steffi

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  2. Ja, das Buch lässt einen einfach nicht mehr los. Quasi DAS Gesprächsthema Nr. 1 =)
    Genau, ich bin auch schon sehr gespannt, gut das man nicht zu lange warten muss.

    Liebe Grüße
    Micha

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  3. Na vielleicht gebe ich dem Buch dann doch mal eine Chance, das hat mich jetzt neugierig gemacht.

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  4. An "Shades of Grey" kommt man zur Zeit ja garnicht vorbei.
    Sobald mein Geldbeutel aufhört zu protestieren werd ich mich dann auch mal ranwagen. Die meisten sind ja doch sehr begeistert von diesem Buch.

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  5. Ja, das stimmt, es ist überall präsent. Man muss es ja schon fast Lesen, nur um mitreden zu können! =)

    LG
    Micha

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  6. Eine schöne Rezi (da kann deine innere Göttin jubeln *grins*)!!!

    Auch ich finde, dass sich jeder (unvoreingenommen) sein eigenes Bild machen sollte.
    Ich fand das Buch klasse und freue mich schon auf die Fortsetzung!!!

    Wünsche dir noch einen schönen Abend
    :-)
    Lena

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  7. Meine innere Göttin und ich stehen doch auf Kriegsfuß ^_^

    LG
    Micha

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  8. Es gibt schon einen Bezug zu Twilight. Christian warnt Ana mit ihm zusammen zukommen weil er gefährlich ist, schön und reich. Genauso wie Edward. Und Ana und Bella lassen sich trotzdem auf die Gefahr ein. Mehr habe ich auch nicht gefunden :)

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  9. Hmmm, njaaa, gefährlich, schön und reich gibt's doch in vielen Büchern ^.^;

    LG
    Micha

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  10. Also des Buch ist schon klasse ! Auch wenn es erst gegen Ende interessanter wird ;)
    Die Emails waren echt super !

    Wenn du Lust hast, kannst du ja auch mal auf meinem Blog vorbeischauen, dass wäre super !

    http://baddicted.blogspot.de/

    LG

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